Andreas Schnieder, Jens Burgschweiger: Mensch, was denkst du?

Andreas Schnieder und Jens Burgschweiger sind Lehrer am Mindener Besselgymnasium. Schnieder unterrichtet Philosophie und Kunst, Burgschweiger evangelische Religion. Über Jahre liegen ihre Klassenräume direkt nebeneinander und so kommen sie in den Pausen und nach Schulschluss immer wieder miteinander ins Gespräch. Worum ging es heute bei dir? Was war dein Thema? Und, so lesen wir im Vorwort, diese Gespräche begannen meist mit dem Satz „Mensch, was denkst du?“, der dem Buch dann seinen Titel gegeben hat. Irgendwann wurde aus den Gesprächen ein Briefwechsel, geführt teilweise während der Pandemie. Und schließlich wurde aus den Briefen dieses lesenswerte Buch.

 

In den Briefen geht es buchstäblich um Gott und die Welt. Sie beginnen mit Schöpfungsmythen, und enden mit dem Thema des eigenen Todes und der Frage, was wir eigentlich hinterlassen möchten. Es geht um die Frage, ob die Bibel wirklich Gottes Wort ist. Gibt es Gott überhaupt? Ist das nicht alles eine Frage der Perspektive? Es geht um Ethik, um die Frage, ob Philosophie die bessere Religion ist, wie Glück und Bildung zusammenhängen, ist der Mensch frei oder ist alles vorbestimmt? Einen eigenen Block bildet die Corona Epidemie. Hat Albert Camus uns dazu etwas zu sagen? Ist sein Roman „Die Pest“ vielleicht das Buch der Stunde? Ausführlich wird die Frage der Theodizee verhandelt. Wie kann Gott Leid zulassen, wenn er doch ein guter Gott ist? Was ist der Sinn des Lebens, wenn es doch endlich ist? Zwischenzeitlich wird Schopenhauer bei Freud auf die Couch gelegt.

 

Großen Raum nimmt eine Zirkusparabel ein, die sich mit der Frage befasst, ob Gott so etwas ist wie ein Kaninchen, das der Christ bei jeder möglichen Gelegenheit aus dem Hut zaubert, um die Welt zu erklären. Das ist er nicht, schreibt Burgschweiger: „Niemand aber scheint zu begreifen, dass es gar auf das Kaninchen ankommt, sondern auf den Hut.“ (S. 130)

 

Die Rollen dieses Briefwechsels sind klar verteilt. Burgschweiger vertritt als Theologe die Perspektive eines aufgeklärten Christentums. Der Philosoph Schnieder hält sich an die existenzialistische Philosophie von Albert Camus. Zeitlich bewegen sich die Themen der Briefe in etwa von der Antike bis in die Gegenwart. Das alles liest sich wunderbar leicht, auch wenn man manchmal ein wenig den Eindruck hat, im Schulunterricht zu sitzen. Aber es ist ein Buch, das einen nachdenklich macht, das einen mitnimmt auf seinem Denkweg. Und es ist ein Plädoyer für das Zwischenmenschliche und für das Humane.

 

Am Ende steht dann auch Antoine de Saint-Exupéry und seine Erzählung Der kleine Prinz: „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“ Der Briefwechsel von Andreas Schnieder und Jens Burgschweiger ist ein schöner Beleg dafür, dass dem so ist. Denn bei allen Unterschieden im Denken und Meinen betrachten beide einander doch immer mit Respekt und Sympathie.

 

Also eine unbedingte Leseempfehlung! Wer sich für Philosophie und Theologie interessiert, dem sei „Mensch, was denkst du? Ein Dialog über Gott und die Welt“ sehr ans Herz gelegt.

 

Andreas Schnieder, Jens Burgschweiger: Mensch, was denkst du? Ein Dialog über Gott und die Welt, Kröner Verlag, Stuttgart 2022.

 

 Udo

 

 

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